Tee Report 2026

Interview

„Nur zusammen sind wir die stärkste Stimme für unsere Branche“

Annemarie Leniger, neue Vorsitzende des Vorstands im Deutschen Tee & Kräutertee Verband und Geschäftsführerin der Ostfriesischen Teegesellschaft, über ihren Amtsantritt, die politischen Herausforderungen der Branche und warum Tee so viel mehr ist als ein heißes Getränk.

Annemarie Leniger ist Vorsitzende des neu gewählten Vorstands bestehend aus (v.l.n.r): Robert P. Scheibler, Christian Lange, Mathias Koop, Marco Sinram, Dr. Christian Mestwerdt. Nicht im Bild: Ralf Janecki

Frau Leniger, Sie sind die neue Vorsitzende des Vorstands. Was bedeutet Ihnen dieses Amt?

Ich freue mich sehr darauf – und ich weiß das Vertrauen, das der Verband mir entgegenbringt, zu schätzen. Natürlich ist es eine große Aufgabe, aber genau das reizt mich. Wir haben tolle Unternehmen in diesem Verband, Menschen, die leidenschaftlich für Tee brennen, und ein Produkt, das die Menschen wirklich lieben. Das ist eine starke Basis für alles, was wir gemeinsam vorhaben.

Was trinken Sie selbst lieber: die Klassiker oder mutige Neuentdeckungen?

Beides! Morgens darf es gerne ein verlässlicher Ostfriesentee sein. Aber ich bin auch immer neugierig auf neue Kräuter- und Früchtekompositionen oder auf funktionale Tees. Tee zieht immer – egal, ob klassisch oder experimentierfreudig. Das ist ja auch das Schöne: Es gibt so viel zu entdecken. Und genau das müssen wir noch mehr nach außen tragen.

Was hat der Verband Ihrem Vorgänger zu verdanken – und welche Impulse möchten Sie selbst setzen?

Frank Schübel hat den Verband in wichtigen Jahren geprägt. Wir sind unter seiner Führung zusammengewachsen, stärker geworden. Darüber sind wir sehr froh. Er hat gemeinsam mit dem Vorstand auch einen Prozess angestoßen, den ich jetzt konsequent weitergehen will: weg von höflicher Zurückhaltung, hin zu klarer Positionierung. Die Branche muss sich zeigen und sich Gehör verschaffen. Das werde ich noch mutiger angehen. Und inhaltlich liegen mir besonders drei Themen am Herzen: Nachhaltigkeit – von ökologischen Themen bis zur Förderung von Frauen in der Teewirtschaft. Die Nachwuchsgewinnung für unsere Branche: Hier haben wir mit der Kampagne #KarriereAufguss einen tollen Start hingelegt und hoffen, dieses Engagement weiter ausbauen zu können. Und nicht zuletzt die Frage: Wie sichern wir unsere weltweiten Lieferketten und machen sie resilienter gegenüber den Herausforderungen unserer Zeit?

Sie übernehmen den Vorsitz in bewegten Zeiten. Warum ist gerade jetzt ein starker Verband wichtiger denn je?

Weil die Herausforderungen, vor denen wir stehen, kein einzelnes Unternehmen mehr allein lösen kann. Das gilt für den Mittelständler genauso wie für die großen Player. Regulierung, Lieferketten, geopolitische Entwicklungen – das betrifft uns alle. Deshalb ist der Verband so wichtig. Er ist unser gemeinsames Kompetenzzentrum: Er vermittelt Wissen, liefert relevante Informationen, schafft eine Plattform für Austausch und Vernetzung. Und vor allem: Er ist unsere gemeinsame starke Stimme im Dialog mit dem Gesetzgeber.

„Allein hat man eine Stimme. Zusammen hat man Gewicht.”

Kostensteigerungen, Regulierung und volatile Lieferketten – was ist derzeit die größte Herausforderung?

Die größte Herausforderung ist, wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben – bei immer komplexeren Anforderungen von außen. Qualität, Sicherheit, Vielfalt: Das ist unser Anspruch, und den erfüllen wir zuverlässig. Aber diese Vielfalt ist in Gefahr. Wenn der Gesetzgeber bei Rückstandshöchstgehalten, Kontaminanten und der Bewertung natürlicher Inhaltsstoffe wie Fenchel oder Hibiskus nicht zu einem vernünftigen, praxisnahen Weg zurückfindet, dann werden beliebte Sorten verschwinden. Tee ist sicher – aber nicht vor den EU-Verordnungen. Wir brauchen praktikable politische Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Das ist keine abstrakte Forderung – das ist die Voraussetzung dafür, dass die Menschen weiterhin ihre Lieblingstees kaufen können.

Wie kann die Branche neue Zielgruppen gewinnen – gerade bei jüngeren Konsumenten?

Tee hat ein Riesenpotenzial – und das wird noch lange nicht ausgeschöpft. Vegan, zuckerfrei, kalorienarm und gesund: Natürlicher geht’s kaum. Für junge Menschen, die bewusst konsumieren, passt Tee perfekt. Dazu kommt die Vielseitigkeit: von traditionell bis modern, von funktional bis genussvoll, vom klassischen Heißgetränk bis zum Ready-to-Drink-Erfrischungsgetränk. Tee als Weinalternative beim Abendessen – das ist kein Nischenthema mehr. Es gibt so viel zu entdecken, und genau das müssen wir kommunizieren.

Zum Abschluss: Welches Wort soll man am Ende Ihrer Amtszeit mit Ihrem Vorsitz verbinden?

Zusammenhalt. Angesichts der Herausforderungen dieser Zeit gibt es für mich keine andere Antwort. Wir werden nur gemeinsam erfolgreich sein – als Verband, als Branche, als Gemeinschaft von Menschen, die Tee lieben und für ihn einstehen. Das ist mein Ziel für die kommenden Jahre.

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