FAQ

FAQ des Deutschen Tee & Kräutertee Verbands

Die folgenden FAQ sind eine Auswahl der häufig gestellten Fragen, die dem Deutschen Tee & Kräutertee Verband zum Thema Nachhaltigkeit gestellt werden. In die Beantwortung dieser Fragen sind neben dem über Jahre gewonnenen Fach- und Erfahrungswissen die Ergebnisse der im Winter 2023/2024 durchgeführten Mitgliederbefragung zum Thema Nachhaltigkeit eingeflossen. Das vorliegende Dokument wird mit zunehmendem Erkenntnisgewinn und fortschreitendem Arbeitsstand weiter aktualisiert und vervollständigt. Nachhaltigkeitsaspekte, die hier noch nicht erläutert werden, befinden sich ggf. noch in der Bearbeitung und Diskussion der entsprechenden Gremien. Sollten Sie Fragen zum Thema Nachhaltigkeit oder andere Bereiche der Teewirtschaft haben, wenden Sie sich gern an den Verband unter presse@teeverband.de

1. Welchen Stellenwert hat das Thema Nachhaltigkeit für den Deutschen Tee & Kräutertee Verband und seine Mitglieder?

Das Thema Nachhaltigkeit ist in all seinen Facetten untrennbar mit den Produkten und Dienstleistungen unserer Mitgliedsunternehmen verbunden. Uns ist bewusst, dass der Tee- und Kräuterteebranche aufgrund ihrer sich weltweit erstreckenden, komplexen Lieferkettenstrukturen und langer Transportwege eine besondere ökologische, soziale und unternehmerische Verantwortung zukommt. Nur wenn die Branche dauerhaft und mit vollem Engagement dieser Verantwortung nachkommt, kann sie Tee, Kräuter- und Früchtetee langfristig und zuverlässig in höchster Qualität und in ausreichenden Mengen zur Verfügung stellen. Aus diesem Grund ist Nachhaltigkeit eines der zentralen Themen unserer Verbandsstrategie und die Unterstützung unserer Mitglieder sowie die Zusammenarbeit in diesem Bereich eine unserer wichtigsten Aufgaben.

2. Welche Strategie hat der Verband im Bereich Nachhaltigkeit? Und wie unterstützt er seine Mitglieder in Ihrem Nachhaltigkeitsengagement?

Als Verband schaffen wir eine Plattform, auf der sich die Mitglieder u.a. zu den Nachhaltigkeitsthemen austauschen, miteinander kooperieren und gemeinsam Lösungen erarbeiten können. Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen den Unternehmen der Tee- und Kräuterteebranche. Daher haben wir mit unseren Mitgliedern einen gemeinsamen Code of Conduct verabschiedet, um das Commitment der Branche nach außen und innen zu manifestieren. Gerade hinsichtlich drängender Nachhaltigkeitsthemen wird ein branchenweiter Austausch mehr denn je benötigt, um gemeinsam Veränderungen anzustoßen. Deshalb fördern wir hier besonders die Kooperation unserer überwiegend mittelständisch geprägten Mitglieder, um unternehmensübergreifende Lösungsansätze zu erarbeiten. Zusätzlich unterstützen wir die Unternehmen durch die Erarbeitung von Informationsmaterialien und versuchen Klarheit bei vielen offenen Fragen herzustellen. Das Nachhaltigkeitsengagement und die Einhaltung der Gesetze ist Teil der unternehmerischen Verantwortung jedes einzelnen Mitglieds. Bei Bedarf stehen wir unseren Mitgliedern beratend zur Seite.

3. In der Branche sind verschiedene Zertifikate und Nachhaltigkeitssiegel weit verbreitet. Wie positioniert sich der Verband und was empfiehlt er seinen Mitgliedern?

Wir begrüßen und unterstützen als Verband wo möglich jedes ökologische, soziale und unternehmerische Engagement unserer Mitglieder. Gleichzeitig setzen wir uns dafür ein, dass Verbraucher die Information am Produkt erhalten, die sie dazu befähigt, eine fundierte Kaufentscheidung treffen zu können. Die Zertifikate am Markt verfolgen unterschiedliche Strategien und setzen verschiedene Schwerpunkte. Aus diesem Grund überlassen wir es den Mitgliedsunternehmen zu entscheiden, welche Zertifizierung für sie hilfreich und zielführend ist.

SOZIALES ENGAGEMENT

4. Die Einhaltung der Menschenrechte ist in einer Reihe von Rohstoff-Ursprungsländern für Tees ein heikles Thema. Wie positioniert sich hier der Deutsche Tee & Kräutertee Verband?

Die unbedingte Achtung der Menschenrechte gemäß der Charta der Vereinten Nationen und ihrer Prinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte ist ein wichtiges Fundament der Geschäftstätigkeit und des Nachhaltigkeitsengagements unserer Mitglieder. Das erklärte Ziel der Branchenakteure ist es, nachteilige Auswirkungen ihres Handelns auf die Menschenrechte zu erkennen, zu verhindern, zu mildern oder zu beheben.

So haben in einer Umfrage des Deutschen Tee & Kräutertee Verbands Anfang 2024 53 Prozent der befragten Mitgliedsunternehmen ein Risikomanagementsystem eingerichtet, um die Einhaltung der Menschenrechte in ihrer Lieferkette zu überwachen, weitere 32 Prozent geben an, den Einsatz eines solchen Systems zu planen. Der Erfolg unserer Branche beruht auf der oftmals harten Arbeit, die Menschen in den Ursprungsländern unserer Rohstoffe verrichten. In diesen Ländern herrschen leider oftmals allgemein schwierige Lebens- und Arbeitsbedingungen, die generell von großer Armut und soziokulturellen, ethnischen und politischen Problemen geprägt sind. Der Anbau von Tee und Rohwaren für Kräuter und Früchtetees ist in diesen Regionen oftmals ein großer und wichtiger Arbeitgeber. Das Produkt Tee sichert vielen Familien ein Auskommen, das dort nicht selbstverständlich ist. Es besteht kein Zweifel, dass die Lebensbedingungen und Standards vielfach nicht mit europäischen verglichen werden können, und da gibt es auch nichts zu beschönigen.

Mitgliederbefragung zum Thema Nachhaltigkeit des Deutschen Tee & Kräutertee Verbands

  • Befragungszeitraum November 2023 – Januar 2024
  • N=34, Mitgliedsunternehmen des Verbands
  • 50 Fragen zu den Themen Bedeutung des Themas
  • Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeitsmanagement, Umwelt-
  • und Klimaschutz, Lieferkette, Menschenrechte und
  • Soziales sowie zur nachhaltigen Unternehmensführung.

Um hier Verbesserungen herbeizuführen, setzen laut Umfrage 76 Prozent der befragten Mitglieder vor allem auf langfristige und vertrauensvolle Partnerschaften und den regelmäßigen Austausch mit den Unternehmen und Organisationen vor Ort. 68 Prozent der befragten Unternehmen überprüfen ihre Zulieferer über eine Selbstauskunft, 82 Prozent führen regelmäßige Risikoanalysen bei ihren Zulieferern durch oder planen dies.

Beide Seiten setzen sich, wo es möglich ist, für existenzsichernde und faire Löhne ein und engagieren sich für die Gewährleistung von Gesundheitsversorgung und Bildung sowie den Ausbau der lokalen Infrastrukturen. Diese Partnerschaften haben oftmals seit vielen Jahren Bestand, da unsere Mitglieder als verlässliche Partner auf Augenhöhe agieren und beraten, Strukturen zur Verbesserung der Lebensbedingungen vor Ort schaffen, in langfristige, gemeinsame Projekte mit den Zulieferern investieren und ad hoc-Unterstützung in Notsituationen leisten.

Gleichzeitig nutzen 53 Prozent der in unserer Umfrage befragten Mitglieder regelmäßige Besuche bei einigen ihrer Lieferanten, um hier Audits und Kontrollen durchzuführen. Ergänzt werden diese Besuche durch Prüfungen unabhängiger Organisationen im Rahmen von Zertifizierungsprogrammen, eine vollständige Überprüfung und eine Garantie für die Einhaltung der Standards lässt sich jedoch angesichts der Zahl und Diversität von Zulieferern trotz größter Sorgfalt nicht darstellen.

Darüber hinaus setzen sich die Unternehmen bei ihren internationalen Partnern wie auch in ihren eigenen Organisationen für das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter sowie deren faire und gleiche Behandlung ein. Als Branche glauben wir an die Chancengleichheit und verpflichten uns, ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen erfolgreich sein, sich weiterentwickeln können und gefördert werden. Umfangreiche Weiterbildungsprogramme, Maßnahmen für Familienfreundlichkeit und Mitarbeiterbefragungen stellen dies in Deutschland sicher. Im Ursprung wirken oftmals Zertifizierungsprogramme. Denn niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.

Auf Grundlage dieses Engagements konnten in den vergangenen Jahren viele Verbesserungen herbeigeführt werden. Trotzdem gibt es noch große Probleme, denen sich die Mitgliedsunternehmen nach Kräften stellen und im Rahmen ihrer unternehmerischen Verantwortung versuchen, diese Probleme vor Ort zu lösen.

5. Wie steht die Tee und Kräutertee-Branche zum deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und die entsprechende EU-Richtlinie?

Die Tee- und Kräuterteebranche unterstützt das Ziel des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes, nämlich den Schutz der Menschenrechte und der Umwelt in den globalen Lieferketten zu verbessern. Gleichwohl kennen wir die Herausforderungen, vor denen unsere Mitglieder bei der Umsetzung der Rechtsvorschriften in die unternehmerische Praxis stehen. Unsere Umfrage hat ergeben, dass 46 Prozent unserer befragten, meist mittelständischen Mitgliedsunternehmen über 100 Zulieferer haben und diese im Sinne des LkSG managen müssen. Es handelt sich oftmals um lange und besonders komplexe Lieferketten, die sich aus hochorganisierten Produktionsstätten bis hin zu kleinteiligen, kleinbäuerlichen Strukturen erstrecken. Dabei sind lediglich 9 Prozent der vom Verband befragten Unternehmen direkt vom LkSG betroffen. 62 Prozent müssen sich jedoch mit den Regelungen auseinandersetzen, da sie als unmittelbare oder mittelbare Zulieferer von ihren Kunden dazu verpflichtet werden.

Uns ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass gerade der Anbau bzw. die Sammlung und der sichere Absatz von Rohwaren für Kräuter- und Früchtetees eine bedeutende Einkommensquelle für viele Familien in diesen kleinbäuerlichen Netzwerken darstellen, die auch für die Zukunft erhalten bleiben muss. Vielen Menschen droht eine Verschlechterung ihrer Lebenssituation, sollten sich Unternehmen aus Sorge vor nicht beeinflussbaren Haftungsrisiken des LkSG aus diesen geschäftlichen Aktivitäten mit kleinbäuerlichen Zusammenschlüssen zurückziehen.

Aus unserer Sicht sollte bei den Neuregelungen der Fokus stärker darauf gelegt werden, dass die zusätzlichen finanziellen Mittel, welche die Unternehmen für die Umsetzung aufwenden, möglichst direkt im Umweltschutz und bei den Menschen im Ursprung, die sie benötigen, ankommen und nicht in rein administrative Prozesse fließen.

Als Verband ist es unsere Aufgabe, gemeinsam mit unseren Mitgliedern an möglichen Brancheninitiativen und -ansätzen und damit an einer kontinuierlichen Verbesserung der Situation zu arbeiten. Auch mit den gesetzgebenden Institutionen wollen wir diesbezüglich im Gespräch bleiben.

6. Wie unterstützt der Verband seine Mitglieder bei der Umsetzung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes?

Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz verpflichtet Unternehmen ab einer bestimmten Größe zur Einhaltung bestimmter Sorgfaltspflichten und zu einem entsprechenden Reporting hierüber. Auch wenn der überwiegende Teil der Mitglieder nicht direkt unter den Anwendungsbereich des LkSG fällt, so hat das Gesetz infolge von Geschäftsbeziehungen zumindest indirekte Auswirkungen auf die Unternehmen. Vor diesem Hintergrund hat der Arbeitskreis Nachhaltigkeit des Verbands einen Fragebogen entworfen, der die Mitglieder dabei unterstützen soll, die Risiken in ihren Lieferketten systematisch zu erfassen.

Eine weitere sich aus dem LkSG ergebene Sorgfaltspflicht ist die Einrichtung eines Beschwerdesystems. Auch hier hat sich das verbandliche Gremium mit der Einrichtung eines solchen Beschwerdemechanismus intensiv befasst. Seit 01.01.2024 gibt es hierfür eine branchenübergreifende Initiative, die allen Mitgliedsunternehmen des Verbandes offensteht. Die Vorteile, die ein solches branchenübergreifendes System bietet, sind zum einen, dass die vielen in der Rohstoff-Beschaffung tätigen Unternehmen nicht individuelle, sondern ein und denselben Beschwerdekanal anbieten. Zum anderen werden Informationen über mögliche Missstände in den Lieferketten unabhängig vom Betroffenheitsgrad einer breiten Zahl an Unternehmen zugänglich gemacht. Die Unternehmen der Branche werden so hinsichtlich kritischer Themen in den Lieferketten sensibilisiert und können unter Umständen konzertiert darauf reagieren und eine Verbesserung erwirken.

7. Die Menschen, die in den Lieferketten der Teebranche arbeiten, beziehen zum Teil sehr niedrige Löhne und arbeiten unter prekären Bedingungen. Was tut die Teebranche, um ihre Situation zu verbessern

Existenzsichernde Löhne sind ein zentrales Ziel unseres Engagements für soziale Standards in den Ursprungsländern unserer Rohstoffe. Neben den Zertifizierungsprogrammen, die das Thema stetig mit kontrollieren und vorantreiben, versuchen unsere Mitgliedsunternehmen durch lange Handelspartnerschaften, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, aber auch Kontrollen und Verpflichtungen so viel Einfluss auf die Zulieferer und damit auch auf die Löhne zu nehmen, wie möglich. Jedoch sind unsere Unternehmen nur ein kleiner Abnehmer auf dem internationalen Rohstoffmarkt – und auch im Zusammenschluss mit anderen deutschen oder europäischen Teeunternehmen sind die abgenommenen Mengen im Vergleich oft sehr gering. So beträgt die durchschnittliche Abnahme der deutschen Teeunternehmen lediglich 0,8 Prozent der Weltteeproduktion. Dementsprechend ist es fast unmöglich, Einfluss auf die Arbeitsbedingungen oder Löhne in fremden Ländern zu nehmen. In vielen Ländern bestehen sogar staatlich verhandelte und dem Sozialgefüge entsprechende Lohnregelungen, die von Unternehmen aus dem Ausland nicht in Frage gestellt werden können. Ausländischen Kunden ist es häufig nur möglich, über andere soziale Rahmenbedingungen die Lebenssituation vor Ort positiv zu beeinflussen.

Neben der Sicherung einer gerechten und ausreichenden Entlohnung unterstützen unsere Mitgliedsunternehmen deshalb diverse soziale Schutzmaßnahmen, um die Lebensqualität der Menschen in den Lieferketten zu sichern und anzuheben. Dazu zählen die Stabilisierung und der Ausbau von gesundheitlicher Versorgung und Bildung und die Verbesserung der Infrastruktur.

Um dies vor Ort zu gewährleisten und auch zu kontrollieren, sind die Mitarbeiter der Mitgliedsunternehmen in ausgewählten Ländern vor Ort und stehen ihren Partnern beratend zu Seite. Dort bekommen sie häufig als erste mit, wenn schnelle Hilfe z.B. in akuten Notsituationen benötigt wird, und können entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Rückblickend auf die letzten Jahre, hat die Branche in Zusammenarbeit mit anerkannten Zertifizierern deutliche Verbesserungen der Lebensbedingungen vor Ort erreichen können, aber das kann nur ein Anfang sein.

8. Inwiefern ist das Thema Schutz von Minderheiten und die Chancengleichheit für Frauen und Mädchen ein wichtiges Thema?

Die Gleichberechtigung aller Menschen, wie sie auch in der UN-Menschenrechtscharta und in zahlreichen internationalen und nationalen Rechtsnormen festgelegt ist, ist für uns und unsere Mitglieder eine Grundvoraussetzung unseres Handelns. Wir setzen uns dafür ein, dass niemand aufgrund seiner nationalen, ethnischen oder sozialen Herkunft, seiner Hautfarbe, seines Geschlechts, seiner religiösen oder politischen Überzeugung, der Mitgliedschaft in einer Arbeiterorganisation bzw. Gewerkschaft oder aufgrund einer Behinderung diskriminiert wird.

Der Grundsatz der Gleichbehandlung gilt für alle Arbeitsverhältnisse der Branche: bei den Handelspartnern im Ursprung wie auch in den Mitgliedsunternehmen selbst. Die Unternehmen haben sich diesem Grundsatz im Code of Conduct des Deutschen Tee & Kräutertee Verbands ausdrücklich verpflichtet. Er wird angewandt in der Rekrutierung neuer Mitarbeiter, der Lohnpolitik ebenso wie in der Gestaltung und Verteilung von Weiterbildungsmöglichkeiten, Aufstiegschancen, der Aussprache von Kündigungen oder der Gestaltung von Ruhestandsregelungen. Die Unterschiede liegen in der Umsetzung. Während in den Mitgliedsunternehmen die hohen europäischen und deutschen Standards maßgeblich sind, besteht in den Ursprungsländern der Rohstoffe vielfach noch ein hoher Handlungsbedarf aufgrund kultureller und sozioökonomischer Gegebenheiten. Hier sehen sich unsere Mitglieder in der Pflicht, wo möglich Einfluss zu nehmen. Diese Möglichkeiten sind jedoch begrenzt: Große Plantagen und Unternehmen vor Ort verbitten sich eine Einmischung in die eigene Geschäftspolitik, so wie auch die betroffenen Länder ein Einwirken in die nationale Gesetzgebung nicht zulassen. Hinzu kommt, dass die Möglichkeiten der Einflussnahme angesichts kleiner Abnahmemengen gering sind. Beispielsweise wurden 2022 von den weltweit rund 6,5 Millionen Tonnen Tee lediglich 1,86 Prozent nach Europa exportiert und nur 0,79 Prozent davon nach Deutschland.

ÖKOLOGISCHES ENGAGEMENT

9. Kommen beim Anbau von Tee, Kräuter- und Früchtetee Pflanzenschutzmittel zum Einsatz? Wie wird der Einsatz kontrolliert? Welche Rückstände gibt es? Und wie werden die Arbeiter auf den Feldern und in

Für die Tee, Kräuter- und Früchtetee-Produktion der Verbandsmitglieder kommen bis zu 400 unterschiedliche Pflanzenteile aus nahezu allen Teilen unserer Welt zum Einsatz. Sie werden teils auf Plantagen angebaut, wachsen Feldern von Kleinbauern oder stammen aus in der freien Natur gesammelten wildwachsenden Pflanzen, sog. Wildsammlungen. Entsprechend unterschiedlich werden die Pflanzen und Früchte behandelt und nach der Ernte weiterverarbeitet, um stets in einwandfreier Qualität höchsten Teegenuss zu gewährleisten.

Dabei kommen im konventionellen Anbau auch Pflanzenschutzmittel zum Einsatz, wo es die äußeren Bedingungen erfordern. Dank moderner Wirkstoffe ist es heute möglich, geringere Mengen einzusetzen. Diese sind Stoffe sind vielfach gesundheitlich unbedenklich und für die Umwelt nicht schädlich. Der Einsatz von Mitteln, die nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen als kritisch eingestuft sind, ist streng reglementiert. Mittels Laboranalysen kontrollieren die hiesigen Unternehmen dann, dass die Regelungen für einen bestimmungsmäßigen und verantwortungsvollen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln beim Anbau eingehalten wurden. Wir haben hierfür, zusammen mit dem Europäischen Verband Tea & Herbal Infusions Europe (THIE), strenge Branchenstandards (siehe THIE GAHP-Dokument und THIE Code of Practice) zum Einsatz von Wirkstoffen und zur mehrstufigen Qualitätskontrolle erarbeitet, die nationale, europäische und internationale Gesetze berücksichtigen. Im internationalen Vergleich sind die Anforderungen aus der europäischen Rückstandsgesetzgebung besonders streng, sodass auch der Gesundheitsschutz für Verbraucherinnen und Verbraucher auf einem sehr hohen Niveau ist. Entsprechend investieren deutsche Tee- und Kräutertee-Unternehmen fortwährend in ihre Qualitätssicherung, um den gesetzlichen, aber auch den eigenen hohen Ansprüchen in Sachen Produktqualität und -sicherheit gerecht zu werden. Aufgrund dieses intensiven Engagements zählen Tees in Deutschland zu den am meisten untersuchten Lebensmitteln. Gleichzeitig werden viele Rohstoffe zunehmend unter den strengen Auflagen des biologischen Anbaus kultiviert, d.h. ohne den Einsatz von klassischen Pflanzenschutzmitteln bzw. mineralischen Düngemitteln.

Unsere Mitgliedsunternehmen setzen sich dafür ein, dass die Menschen auf den Feldern vor dem Kontakt mit Pflanzenschutzmitteln geschützt sind. Die Bereitstellung und Nutzung von Schutzkleidung wird in Audits durch Zertifizierungsorganisationen und bei Vor-Ort-Terminen unserer Mitgliedsunternehmen kontrolliert. Dennoch ist eine lückenlose Überwachung kaum möglich und so sind die Bildungsarbeit und die sachgerechte Information von Mitarbeitern vor Ort über den richtigen Umgang mit Pflanzenschutzmitteln der zentrale Schlüssel, um die Menschen entlang der gesamten Lieferkette vom Feld bis zur Tasse zu schützen.

10. Wie engagieren sich die Mitgliedsunternehmen für das Thema Biodiversität?

Biodiversität sichert unser Überleben auf der Erde und an einigen Stellen kann die Teebranche einen nützlichen Beitrag leisten. Die Blüten der verschiedenen Pflanzen für Früchte- und Kräutertees sind für unsere Bienen geradezu ein Paradies voller Nektar und Pollen. Teeplantagen bieten vielen Tierarten, darunter nachweislich etlichen Vögeln, einen wichtigen Rückzugsort.

Die Branche engagiert sich gemäß dem Washingtoner Artenschutzabkommen für den „Schutz von Tieren und Pflanzen in ihrer Schönheit und Vielfalt als unersetzlicher Bestandteil der natürlichen Systeme", denn eine intakte Natur mit ihrem Reichtum an Rohstoffen ist die Grundlage für die Herstellung unserer reichhaltigen Auswahl herausragender Tees. Wir als Branche verurteilen die Ernte, den Handel und die Verarbeitung bedrohter Pflanzenarten und achten darauf, dass unsere Aktivitäten das biologische Gleichgewicht und die Biodiversität nicht gefährden. So sollen beispielsweise Schulungen für Personen, die in den Wildsammlungen tätig sind, dafür sorgen, dass nicht alle Blätter, Wurzeln oder Früchte von wildwachsenden Beständen geerntet werden und so ein Beitrag zur Biodiversität geleistet wird. Vielfach unterstützen unsere Mitgliedsunternehmen Projekte zum Erhalt der Artenvielfalt oder starten eigene Initiativen z.B. zum Schutz von Bienen.

11. Welche Rolle spielt der biologische Anbau von Tee bzw. Rohwaren für Kräuter- und Früchtetees?

Tees, Kräuter- und Früchtetees aus biologischem Anbau spielen eine zunehmend wichtige Rolle, denn wir beobachten seit einigen Jahren eine steigende Nachfrage in diesem Bereich. Im Jahr 2022 waren bereits 15,6 Prozent der verkauften Tees mit einem Biosiegel versehen. Um den Bereich zu verstärken, wird in vielen Unternehmen das Bio-Segment strategisch ausgebaut. Auch bei der Herstellung konventioneller Produkte wird häufig auf Bio-Rohstoffe zurückgegriffen. Dies ist auf der Verpackung oftmals nicht ersichtlich, weil unter Umständen nicht alle Zutaten z.B. in einer Kräutertee-Mischung nach dem Bio-Standard erzeugt wurden. Wir begrüßen diese Entwicklung, denn die Vorteile des biologischen Anbaus in Hinblick auf Mensch, Natur und Umwelt liegen auf der Hand. Für uns ist diese Anbauform eine gute und ressourcenschonende Ergänzung zur konventionellen Erzeugung.

12. Welche Rolle spielt der Klimawandel für den Tee und was tut die Branche für die Reduzierung der Treibhausgasemissionen?

Unsere Produkte Tee sowie Kräuter- und Früchtetees sind direkt vom Klimawandel bedroht. So liegt es in unserem ureigensten Interesse dessen Ursachen zu bekämpfen, damit auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten ausreichend Rohwaren von höchster Qualität zur Verfügung stehen. So zeigen unsere Mitglieder großes Engagement bei der Vermeidung und Reduktion von Treibhausgasen.

Laut der Befragung unserer Mitgliedsunternehmen reichen die Maßnahmen von Investitionen in moderne und energetisch sparsame Techniken und Systeme, dem Neu- und Umbau von Gebäuden und Anlagen unter Nachhaltigkeitsaspekten (jeweils 59 Prozent der befragten Unternehmen), dem Bezug von Energie über regenerative Energiequellen (56 Prozent) bis hin zum Einsatz umweltfreundlicher, emissionsarmer Transportmittel (28 Prozent). Um diese Maßnahmen zu managen und weitere Einsparungspotenziale zu identifizieren, ermitteln 50 Prozent der befragten Unternehmen ihre Klimabilanz auf Unternehmensebene, 21 Prozent sogar auf Produktebene.

13. In der Lebensmittelbranche wird immer wieder auf den Verlust von Nahrungsmitteln durch Entsorgung hingewiesen. Welchen Beitrag leistet die Teebranche, um hier Abhilfe zu schaffen?

Bei Tee, Kräuter- und Früchtetee handelt es sich um Produkte mit einem geringen Feuchtigkeitsgehalt und langer Haltbarkeit. Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) eines Lebensmittels ist das Datum, bis zu dem dieses Lebensmittel bei richtiger Aufbewahrung seine spezifischen Eigenschaften behält. Das heißt, nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum können die Inhaltsstoffe in den Tees und auch das Aroma vom Ursprungszustand abweichen. Die Sicherheit des Verbrauchers ist nach Ablauf des MHDs nicht gefährdet, sodass die Tees auch lange danach noch gefahrlos getrunken werden können. Um dem Teetrinkenden jedoch anzuzeigen, bis wann er bei sachgerechter Lagerung den vollen Geschmack und Duft des Tees, Kräuter- oder Früchtetees garantiert erwarten und genießen kann, hält die Teebranche am MHD fest. Wir gehen davon aus, dass der Verzicht auf die Kennzeichnung mit dem MHD keinen nennenswerten Beitrag zur Verhinderung von Lebensmittelverlusten in Bezug auf Tees leisten würde.

Vielmehr bemühen sich die Mitgliedsunternehmen, Verluste durch effizientes Lagermanagement und optimierte Produktionsprozesse zu vermeiden oder B-Ware sowie noch für gut befundene Produkte einem sinnvollen Zweck zuzuführen. Sie werden vielfach an karitative Einrichtungen gespendet oder an Mitarbeiter verschenkt.

FAQ Download

Die FAQ stehen Ihnen auch zum Download zur Verfügung (pdf):

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