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Tea Taster - ein Beruf, der die Sinne schärft

Tee – Teil unseres täglichen Lebens

Pro Jahr werden in Deutschland  über 18.000 Tonnen Tee aufgebrüht. Das Genussmittel ist aus unserem täglichen Leben nicht mehr weg zu denken - zum Frühstück, während der Arbeit, beim Treffen mit Freunden oder einfach zum Entspannen zu Hause wird Tee getrunken. Und dabei setzen die Deutschen auf qualitativ hochwertige Tees.

Gleichbleibend hohe Qualität

Entscheidend für die Qualität eines Tees sind Geschmack, Geruch und Farbe des Aufgusses. Diese Kriterien sind abhängig von dem Ursprungsland, dem Anbaugebiet, dem Teegarten, dem Ernetezeitpunkt und der Verarbeitung. Die Vielfalt der verschiedenen Teesorten ist unendlich. Die Aufgabe des Tea Tasters ist es, aus dieser immensen Auswahl die besten herauszufinden. Er testet, vor allem in der Haupternte- und Einkaufszeit von Mai bis Ende Juli, täglich bis zu 600 Teeproben. Die Konsumenten von Marken-Tees erwarten einen konstant gleichen Geschmack. So ist es die hohe Kunst der Tea Taster, aus den je nach Ernte unterschiedlichen Tee-Qualitäten in Aussehen und Geschmack gleich bleibende Teemischungen zu kreieren.

Erfahrung macht den Meister

Um zu wissen, welche Teesorte die beste ist und welche den Geschmack der Verbraucher trifft, muss der Tea Taster den Charakter der Tees aus den verschiedenen Anbaugebieten und die unterschiedlichen Qualitäten kennen. Die Voraussetzung für den Beruf Tea Taster ist daher Geduld, Liebe zum Produkt, Weltoffenheit und vor allem Erfahrung: „Tee muss man immer wieder anschauen, aussuchen und dann selbst aufbrühen, um ein Gefühl für die Ware zu bekommen. Es dauert eine ganze Weile, bis das nötige Wissen erlangt ist. Wer es erlernen möchte, muss sehr geduldig sein und Talent haben. Es ist eine Fleissarbeit“, so ein Tea Taster.

Tee als Profession – Ausbildungswege

Die Ausbildung zum Tea Taster unterscheidet sich zunächst nicht von einer kaufmännischen Ausbildung. Am Anfang steht meistens die Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufmann oder auch ein betriebswirtschaftliches Studium. Parallel oder auch erst danach werden erste Erfahrungen rund um das Tea Tasting gesammelt. Die eigentliche „Erfahrungszeit“ zum Tea Taster dauert ungefähr sieben Jahre. Aber in dieser Zeit wird es keineswegs langweilig. Zunächst wird der Geschmacks- und Geruchssinn auf die vielen verschiedenen Teesorten und Qualitäten eingestimmt, um sie dann später treffsicher auseinander zu halten und die Besten „herausschmecken“ zu können.

Da Geschmack nicht erlernbar ist, ist erfolgreiches Tea Tasting eine Sache der Erfahrung. Aus diesem Grund testen die „Neulinge“ immer mit den erfahrensten Tea Tastern. Diese Ausbildung ist sehr facettenreich. Es ist keine Seltenheit, ein paar „Lehrjahre“ im Ausland, wie zum Beispiel der Teetrinkernation England zu verbringen oder sich in den Ursprungsländern über Anbau, Verarbeitung und Verkauf zu informieren. Dabei verlangt dieser Beruf aber auch gewisse „Opfer“: Rauchen, scharfe Gewürze, harte Alkoholika oder auch Kaffee sind tabu, weil sie die Geschmacksnerven beeinträchtigen können.

Liebe zum Produkt und kaufmännisches Geschick

Für die weiteren Aufgaben, die ein Tea Taster noch im Unternehmen erfüllt, wird kaufmännisches Wissen gebraucht. Ein Tea Taster reist unter Umständen während der Erntezeiten  in die Anbauländer, um dort Tee zu kaufen. Dort ist nicht nur das Gespür in Bezug auf die einzelnen Teequalitäten gefragt, sondern auch Verhandlungsgeschick.

Wer erst einmal seine Leidenschaft für Tee entdeckt hat, den lässt sie sein Leben lang nicht mehr los.


Dem Geschmack auf der Spur – Tasting step by step: Wie läuft ein Tea Tasting bzw. eine Teeverkostung genau ab?

Step one – der Aufbau

Zuerst werden auf einem langen Spezialtisch verschiedene Teemuster gleichen Typs aufgereiht.

Step two – das Wiegen

Mit einer Handwaage wiegt der Tea Taster von den einzelnen Proben genau 2,83 Gramm ab und füllt diese jeweils in einen Porzellanbecher mit Deckel (Tea Taster´s cup).

Step three – das Wasser

Mit frisch aufgekochtem Wasser brüht der Tea Taster dann den abgewogenen Tee auf und lässt ihn genau fünf Minuten ziehen. Die zubereiteten Aufgüsse (Batches) gießt er jeweils in eine Porzellanschale.

Step four – die Infusion

Jetzt beginnt das Tea Tasting: Zunächst werden die aufgebrühten Teeblätter (Infusion) auf Farbe und Beschaffenheit begutachtet und auf Geruch getestet.

Step five – schlürfen, schmecken, spucken

Der Tea Taster geht mit einem Löffel von Probe zu Probe. Er schlürft, schmeckt und spuckt den probierten Tee in einen Kupferbehälter (Spittoon). Das Schlürfen bei der Teeprobe ist von großer Bedeutung, denn der dabei eingesogene Sauerstoff sorgt für eine höhere Geschmacksempfindlichkeit und verteilt den Tee weiträumig im Mund. Dadurch werden im Rachenraum liegenden Geschmacksknospen angeregt, und der Tea Taster kann die unterschiedlichen Nuancen besser „herausschmecken“. Dass er den Tee nach dem Testen wieder ausspuckt, liegt nicht etwa an einer schlechten Qualität, sondern daran, dass es selbst einem Tea Taster bei 600 Teeproben pro Tag zu viel wird.

Und nach dem Tasting?

Jede Partie Tee wird nicht nur einmal getestet. Nach der Kaufentscheidung für eine bestimmte Partie erhält der Tea Taster ein so genanntes „Offert-Muster“, und bevor der Tee das Ursprungsland verlässt, ein entsprechendes Verschiffungsmuster.

Erst nachdem dieses getestet wurde, gibt der Importeur den Transport nach Deutschland frei. Im Hamburger Hafen oder in den Bremischen Häfen angekommen, wird noch einmal eine Probe gezogen, die dann noch einmal getestet und mit dem Kaufmuster verglichen wird. 

Lieblich, trocken oder süß – Nicht nur der Wein hat ein spezielles ABC

Wie beim Wein hat auch der Tea Taster ganz spezielle Fachausdrücke, mit denen er die Charakteristika der einzelnen Sorten beschreibt. Die Fachsprache der Tea Taster ist Englisch, ihr Vokabular nahezu unerschöpflich:

Trockenes Blatt

Even

Tee, der seiner Gradbezeichnung entspricht und aus etwa gleich großen Blatteilen besteht.

Clean

Tee ohne Holz, Fasern und Staub, gut sortiert, nur Blattgut des gleichen Grades, in der Tasse frei von jedem Beigeschmack.

Tip

Blattknospe, mit zarten Härchen besetzt, an denen der Teesaft „kandiert“. Im schwarzen Tee als goldgelbes Blatt sichtbar.

Tippy Teas

Tees, die einen bemerkenswerten Anteil an hell- bis goldgelben Blattspitzen aufweisen.

Stylish

Bezeichnung für gut gearbeitete Tees mit drahtigem ansprechendem Blatt.

Twisted

Eng und gut gerolltes Blatt eines Tees. Nur bei sorgfältiger Überwachung des Welkvorgangs kann ein voller Blatt-Typ erzielt werden.

Wiry

Gut gerolltes, dünnes, vor allem drahtiges Blatt.

Shotty, curly, knobbly

Ein sich hart und fest anfassender Tee, stark gerollt, runde Form, schiesspulverartig.

Chunky

Tees mit kurzem dickem Blatt.


Aufguss

Liquor

Im Teehandel übliche Bezeichnung für den Aufguss des Tees und seine geschmackliche Qualität.

Character

Herausragende Eigenschaft eines Tees beim Probieren.

Flavour, aroma, nose

Der Duft des trockenen Tees, aber auch der frisch aufgegossenen Tassenprobe.

Strength

Die Kraft eines Tees. Bezeichnung für eine dicke Tasse voller Kraft und Frische.

Body

Bezeichnet eine kräftige Tasse, also einen vollmundigen Tee.

Thick

Konzentrierte, dunkle Tasse.

Brisk

Ein „lebhafter“ Aufguss von kräftigem Charakter, wie er sich grundsätzlich von der flauen Tasse unterscheidet.

Point

Herbe Frische.

Full

Bezeichnet eine kräftige Tasse ohne bitteren Geschmack.

Biscuity

Bezeichnung für ein an und für sich angenehmes Aroma, das in der Hauptsache bei solchen Assam-Tees auftritt, die etwas zu scharf und schnell getrocknet wurden.

Malty

Eine Tasse, die leicht überfeuert wurde. Erinnert an Malz oder Karamell.

Coloury

Gute, kräftige Tasse mit guter Färbung beim Aufguss.

Bright

Lebhafte, rote Tasse, meistens Zeichen eines guten Tees.

Dull

Ein Tee, dessen Tasse nicht klar und leuchtend ist.

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